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Hat die klassische PR-Arbeit für Messen und Events ausgedient?

Lohnt sich der Aufwand für Pressearbeit im klassischen Sinne überhaupt noch?

6069859969_e9ac79240b(pic: Flickr, von Rosa Say)

Von 2004 bis 2012 habe ich in der Medienindustrie gearbeitet, und auf jeder Medienkonferenz war das herausragende Thema der Niedergang der Print-Medien. Der natürlich Kostensenkungen nach sich zieht, die vorrangig in der Redaktion vorgenommen werden, woraufhin die Auflagen noch weiter zurückgehen.

Ein Teufelskreis…

Was verstehe ich genau unter klassischer PR-Arbeit? Man kann natürlich darüber streiten, was “klassisch” in diesem Kontext genau bedeutet, aber ich möchte es mal so formulieren: Alle PR-Aktivitäten von Messe- und Eventveranstaltern, die darauf abzielen, Botschaften in traditionellen Medien zu platzieren, z.B. Tagespresse, Fachpresse, Radio, TV und natürlich die Online-Präsenzen dieser Medien.

Man hofft darauf, dass diese Botschaften von den Medien aufgegriffen werden und über diesen Weg die eigentliche Zielgruppe erreichen. Die Journalisten sind in diesem Spielchen die Gatekeeper, also die Kuratoren für die Information, sie bestimmen, was den Lesern wohl gefallen könnte.

Wir haben das mal Qualitätsjournalismus genannt in der guten alten Zeit.

Typische Aktivitäten der klassichen PR-Arbeit sind

  • Pressemeldungen, die an einen Presseverteiler geschickt werden
  • Interview-Anbahnungen und Kontaktpflege zu Journalisten
  • Bereitstellung von elektronischen Pressemappen, von Rohmaterial zum Download
  • Organisation von Pressekonferenzen

Online PR bedeutet nach meiner Definition ein Umgehen der traditionellen Kanäle, indem man seine Botschaften über die Messe oder den Event direkt an die Zielgruppe verbreitet, über soziale Kanäle wie Youtube, FB, Twitter, den eigenen Blog, über Blogger-Relations, Foren und “Earned Media“.

Eine einfache Antwort auf die im Betreff genannte Frage lautet: Natürlich muss man heutzutage beides tun! 

Ich nehme jedoch an, dass nicht alle Leser über unbegrenzte personelle und finanzielle Ressourcen in ihrer PR-Abteilung verfügen. Daher muss man sich die Frage stellen, was die richtige Balance zwischen traditioneller und Online PR sein könnte.

Für klassische PR spricht

  • Traditionelle Medien verfügen immer noch über eine sehr hohe Glaubwürdigkeit. Natürlich hängt das von der betrachteten Industrie ab. In der Modebranche ist der Einfluss von Bloggern zum Beispiel sehr hoch, und es wäre keine gute Idee, sie bei einem Mode-Event oder einer Modemesse zu übergehen. In anderen Branchen jedoch ist die Fachpresse noch sehr einflussreich, und es wäre schwierig, eine Messe oder Konferenz ohne die Unterstützung der Fachpresse zu etablieren.
  • Ein Artikel in einer überregionalen Tageszeitung beeindruckt die Menschen immer noch sehr. Es ist lustig, dass dies auch für Onliner gilt, deren Augen feucht werden, wenn über sie in Print geschrieben wird.
  • TV ist natürlcih hervorragend geeignet für attraktive Produkte wie TV-Geräte, Mobiltelefone, Autos.
  • Aussteller erwarten einen professionellen Media- und PR-Plan bevor sie sich für eine Messeteilnahme entscheiden.

Argumente für Online PR sind hingegen

  • Man hat eine bessere Kontrolle über die Botschaften und das Umfeld, in denen sie erscheinen (z.B. das Design des Blogs, in welchen Gruppen oder Foren man postet)
  • Die Wirkung kann gemessen werden durch eine Vielzahl von KPIs – das funktioniert nicht ohne weiteres bei traditionellen Massenmedien.
  • Man bekommt direktes Feedback von der Kernzielgruppe.
  • Die Entwicklung geht ohnehin in diese Richtung, je eher man sich daran gewöhnt, desto besser ist es.

Paul Steiger, der Gründer von Pro Publica und frühere Chefredakteur des Wall Street Journal sagte kürzlich in eine Interview im SPIEGEL: “Das Internet hat das alte Geschäftsmodell zerstört, auch wenn es noch am Leben ist“.

Was ist Eure Meinung hierzu? Sollten sich Event-, Konferenz- und Messeveranstalter mehr auf Online PR und Social Media fokussieren an Stelle der guten alten Journalistenpflege? Freu mich auf Eure Kommentare und Diskussionen!

One thought on “Hat die klassische PR-Arbeit für Messen und Events ausgedient?

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