Live Entertainment Awards in Frankfurt: Warum das letztlich doch kein sooo toller Event war…

Gestern abend fand in der Frankfurter Festhalle die Verleihung der diesjährigen Live Entertainment Awards statt. Die Macher hinter den Tourneen, Clubbetreiber, Konzert- und Festivalveranstalter, Venues, Impressarios etc. feiern sich selbst und herausragende Leistungen wie Festival des Jahres, Künstlermanager des Jahres, Club des Jahres oder Nachwuchsförderung des Jahres.

Ca. 1.300 Gäste nahmen teil, und die Liste las sich wie das Who-is-who der deutschen Entertainmentbranche. Die Veranstaltung fand 2006-2010 in Hamburg statt, seit letztem Jahr ist sie die Auftaktveranstaltung der Musikmesse Frankfurt. Daher wird auf ihr auch der Frankfurter Musikpreis vergeben, dieses Jahr an den großartigen Musiker John McLaughlin.

Moderator Ingo Nommsen führte durch das Programm – und das hat er sehr gut gemacht, bis hin zur Begleitung von BossHoss auf der Akustikgitarre. Die Star-Dichte aus dem Musikbusiness liess ebenfalls nichts zu wünschen übrig – trotz der diese Woche auch anstehenden ECHO Verleihung in Berlin.

Von David Garrett, Lena, Tim Bendzko über Rainald Grebe bis hin zu Suzi Quattro, Eurovision-Kandidat Roman Lob, Frida Gold, Smudo und John Miles gaben sich zahlreiche Künstler die Ehre, dankten brav ihren professionellen Partnern und überzeugten mit zum Teil klasse Performances, z.B. von Rainald Grebe alleine am Klavier mit “Ganz Oben”.

Das Setting und die Bühne in Frankfurts “guter Stube”, der Festhalle, war natürlich spektakulär, und mir hat gut gefallen, dass man im Programm auch ernste Passagen vorgesehen hatte, z.B. die Verleihung des Ehrenpreises posthum an den letztes Jahr tödlich verunglückten Michael Brenner, Gründer der BB Promotion.

Aber dennoch verliess ich die Veranstaltung mit gemischten Gefühlen.

Hier in meinem Blog schreibe ich über Event Marketing, innovative Veranstaltungen, und berichte darüber, was wir als Eventmanager von solchen Veranstaltungen lernen können. Während ich kürzlich auf einer Awards Gala in Wien war, die hervorragend organisiert war und die Teilnehmer von Anfang bis Ende unterhielt und respektierte, hatte ich dieses Gefühl gestern nicht.

Was hat gestört?

Zum einen die Länge. Sage und schreibe vier Stunden dauerte die Preisverleihung – selbst ein noch so tolles Programm kann die Besucher nicht so lange bei Stange halten. Zumal es vor der Verleihung nur ein wenig Fingerfood gab, so dass die Besucher erst um 23.40 Uhr was zu beissen bekamen. Entsprechend wurde das Publikum von 22.00 Uhr ab stetig unruhiger – schade für die Preisträger, die später dran waren.

Bei einer Veranstaltung der Konzert- und Entertainmentbranche erwartet man einen perfekten Ablauf, inkl. aller Einspieler, Bühnentechnik, Umbauten… Davon konnte hier nicht die Rede sein. Ich will nicht kleinlich sein, aber der Anspruch, den sich die Branche selbst gibt, ist sehr hoch, und dann erwartet man einfach, dass die Videos ohne Verzögerung abspielen, die Screens auf der Bühne ohne einen Lärm wie von der neuen Landebahn Nordwest hochfahren, die Mikros alle gut funktionieren.

Macht es Sinn, bei einer Preisverleihung alle Gewinner und viele Laudatoren ausschweifend zu interviewen… Ich weiss nicht recht. Der arme John McLaughlin stand etwas verloren auf der Bühne und musste sich drei (!) verschiedenen Laudatoren anhören, bis er endlich selbst an die Reihe kam und einige kurze herzerwärmende Dankesworte auf Deutsch sagen konnte.

So spektakulär das Bühnendesign war, die Größe der Projektion war meines Erachtens nicht wirklich angemessen. Das Rednerbild und die Einspieler waren sehr klein, etwas mehr “form follows function” hätte wahrscheinlich gut getan.

Natürlich weiß ich auch, dass man solch eine Veranstaltung unter anderem auch durch die Unterstützung von Tabak-Konzernen refinanzieren muss. Aber muss es wirklich sein, dass man in der gesamten Festhalle für 1.300 Personen das Rauchen erlaubt, Zigaretten und Aschenbecher auf die Tische verteilt? Das fand ich schon sehr befremdlich, und wenn ich an die vielen Gäste aus USA denke, wird es denen nicht anders ergangen sein.

Als ich meine Hootsuite-App startete und nach dem Hashtag für den Event suchte, fand ich… nichts! Auch das hat mich sehr überrascht, denn solch ein Event aus und für die Entertainment-Branche sollte doch auf Social Media zu finden sein. Eine rasche Suche nach dem Stichwort “Musikpreis” brachte dann doch Ergebnisse – leider fast alle über den ECHO, der doch noch garnicht dran war!

Ich will aber nicht weiter schlaumeiern – unterm Strich habe ich mich sehr gut amüsiert, dazu haben neben meinen zwei netten Begleitern vor allem David Garrett, Rainald Grebe und der großartige Tim Bendzko beigetragen. Hier findet Ihr einen krass illegalen Handy-Mitschnitt von seinem Auftritt.

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