TEDx RheinMain 2012: Sieben Pralinen aus Offenbach

TED ist eine der stärksten Event-Brands weltweit. Seit 1984 finden Konferenzen unter dem Label TED statt, seit 2006 werden TEDTalks online gestellt. Ursprünglich gab es eine jährliche Veranstaltung in Long Beach, aber mittlerweile ist es weit mehr als das: TED präsentiert “Ideas Worth Spreading” auf verschiedensten Kanälen und auf Live-Events weltweit.

Dazu gehören auch die unabhängig organisierten TEDx Events, die von lokalen Veranstaltern durchgeführt werden. Beinahe täglich finden irgendwo auf der Welt TEDx Events statt!

Für eine TEDx-Lizenz muss man sich bewerben. TED gibt einen Katalog von Regeln vor, die eingehalten werden müssen: Vom Branding über die Website, PR-Maßnahmen, Social Media bis hin zum Webcasting und Videoaufzeichnungen.

Darren Cooper hat die Lizenz für RheinMain, und am 2. Februar 2012 hat er mit seinem Team die zweite TEDxRheinMain in Offenbach organisiert, moderiert von Internet-Pionier Ossi Urchs. Ich war sowohl live als auch auf Twitter #TEDxRM dabei – eine tolle Veranstaltung, sehr inspirierend, mit einigen großartigen Sprechern und insgesamt rund 250 Teilnehmern!

Meine persönlichen Highlights:

  • Prof. Dr. Gunter Dueck über die Angst vor der Veränderung vs. die Angst vor dem Gleichbleibenden: Ein herzerwärmender Vortrag! Bonmot: “Die Depressiven sind bei Facebook, die Schizoiden bei Google+.”
  • John Kearon, ein britischer Marktforscher “trying to make market research more sexy!”. 18 extrem unterhaltsame Minuten – ohne ein einziges Slide! Nicht schlecht für einen Marktforscher…
  • Michael Hübl, Erfinder von flinc.org, einer Art Smartphone-App basierten Mitfahrzentrale. Wann habt Ihr mal einen Sprecher gesehen, der das Publikum beschimpft “Ihr seid faul und verantwortungslos!” und dafür Standing Ovations bekommt? Ein packender Vortrag.
  • Marcus Brown, Erfinder von Online-Charakteren, Social media Maniac, Autor, Geschichtenerzähler,… Tränen gelacht!

Wenn man selbst im Events-Business ist, schaut man sich eine solche Veranstaltung natürlich immer auch durch die professionelle Brille an. Was habe ich in dieser Hinsicht mitgenommen? Was kann man daraus lernen?

Hier sind meine 7 Pralinen aus Offenbach:

  1. Content: Wie wichtig ist Content wirklich? Gute Frage… Um es mit den Worten von John Kearon zu sagen “The content of the speakers matters so much less than we speakers think. It’s about how you felt during the speech.” Zugegeben, der Besuch eines TED Events ist eher so ein bisschen wie ein Theaterbesuch, es ist keine Business-Veranstaltung. Aber was nutzt der interessanteste Inhalt, wenn er langweilig präsentiert wird?
  2. Cause: Hier wird es schon interessanter. Wenn ein Sprecher eine Leidenschaft für sein Thema hat, wenn sie/er dafür brennt… Dieser Funke springt rüber. Das bewegt. Was mich zum nächsten Punkt bringt:
  3. Curation: Als Konferenz-Veranstalter sollten wir uns viel mehr Gedanken darüber machen, wie Präsentationen zueinander passen, was der ideale Ablauf ist. Wir sollten Sprecher weniger nach dem Expertenstatus auswählen, sondern stärkeres Augenmerk darauf legen, wie sie ihre Inhalte präsentieren, welche Interaktionen sie einbauen, welche Reihenfolge sinnvoll ist.
  4. Inszenierung: TED Events legen großen Wert auf eine ansprechende Darbietung. Auch in Offenbach gab es perfekten Sound, ein stimmiges Bühnenbild, toll gemachte Video-Clips, die die Sprecher vorstellten. Die TEDTalks wurden mit mehreren Kameras aufgezeichnet, ich freu mich schon auf die YouTube Videos, die auf diesem Channel in ein paar Wochen zu sehen sein werden.
  5. Venue: Hätte die Veranstaltung auch in einem klassischen Konferenz-Zentrum oder Tagungshotel funktioniert? Ich habe meine Zweifel. Das Ambiente im Offenbacher Capitol, wo sonst Konzerte oder Theateraufführungen stattfinden, hat einiges zum Flair beigetragen. Die Maritims und Marriotts dieser Welt mögen mich dafür hassen, aber… Wir müssen raus aus diesen Korsetten!
  6. Echo: Anders als bei den meisten B2B Events gibt es bei TED keine Q+A sessions, dafür eine sehr vitale Social Media Community. Auf Twitter ging einiges ab, und zwei Dinge fielen mir dabei auf: Klar, Social Media spiegeln, was vor Ort passiert, sie zeigen positive wie auch negative Emotionen. Aber noch wichtiger: Damit verstärken sie die Wirkung ganz erheblich. Bei solch einem Event braucht es keine Fragestunde für Selbstdarsteller. Man tauscht sich mit anderen und auch den Sprechern virtuell aus – und damit vielleicht intensiver, als man es “nur” live könnte.
  7. Inspiration: Eine Konferenz ist dann gelungen, wenn sich die Teilnehmer nach dem Besuch leichter und beschwingter fühlen, voller Tatendrang, voller neuer Ideen, voller Motivation. Wenn man Dinge hinterher anders macht als vorher. Darum geht es.

Kompliment an die Veranstalter – ich freu mich auf TEDxRheinMain 2013!

4 thoughts on “TEDx RheinMain 2012: Sieben Pralinen aus Offenbach

  1. Klasse Zusammenfassung des Events!
    Mir fällt dazu ein Zitat von Heraklit ein: “Es geht nicht darum Fässer zu füllen, sondern Flammen zu entzünden.” Genau letzteres ist bei der TEDxRM geschehen. Gratulation an die Veranstalter und Speaker!

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  2. Danke für diese guten Zeilen aus ‘Consumer’ und ‘Profi’-Sicht, lieber Michael Heipel!
    Gern füge ich noch die 3. Perspektive einer ‘TEDx-Organisatorin’ hinzu, die aus eigener Erfahrung um die Herausforderungen vor und hinter den Kulissen weiß 😉
    Schöne Location (ja, das IST wichtig!), vielfältige Perspektiven eines spannend kuratierten Speaker-Reigens mit tollen Ausnahme-Speakern, wohlwollend und wirklich interessiertes Publikum, das auch mal einen Speaker trägt, der vielleicht grad nicht seinen best-performance-moment hat….. große Anerkennung und Danke an Darren & Co für den so entspannten und inspirierenden Event!

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